Über INTERMUSIK | Drucken |
Donnerstag, 1. Oktober 1992
Das war der Geburtstag der INTERMUSIK. Für das Redaktionsteam unter Leitung des ersten Chef-Redakteurs Udo Kuhlmann und des Verlegers Ulrich Schmülling, das drei Monate intensivster und umfangreicher Vorbereitungsarbeit hinter sich hatte, war es der Tag X, der Tag, an dem sich zeigen sollte, ob die bisherigen Entscheidungen und die Vorbereitungen richtig getroffen waren. Fast unzählig waren die "kleinen Dinge", die es zu entscheiden galt, im technischen, logistischen und auch im inhaltlichen Bereich, und zahlreich waren auch die großen und in ihrer Bedeutung weitreichenden Entscheidungen, die getroffen werden mußten.

Eine echte Zeitung sollte es sein, kein Magazin, kein Heftchen, keine Broschüre, gemacht von Profis in Wort, in Bild und vom Fach – und einen Namen sollte sie haben, den man überall und in allen Sprachen versteht, den man sich merken kann und der inhaltlich frei ist; monatlich und regelmäßig sollte sie erscheinen, einerlei ob Sommerloch oder Winterpause; aktuell und objektiv sollte sie sein, nicht den Veranstaltungen hinterher hinken und auch nicht nur einen Aspekt präsentieren; in vielfältiger Weise sollten alle erreichbaren musikalischen und kulturellen Bereiche in ihr Platz finden, zunächst soweit sie den unmittelbaren Bereich der Harmonika-Instrumente betreffen und ferner auch Randbereiche einschließen, die für Musiker wissenswert sein können; international und offen sollte sie sein und Informationen aus jeder Ecke der Welt in sich aufnehmen und umgekehrt sollte sie jedermann an jedem Ort der Welt zur Verfügung stehen – und vor allem: unabhängig sollte sie sein, unabhängig von Spenden und sonstigen Zuschüssen, unabhängig von Vereinsbeiträgen und betrieblichem Sponsoring, unabhängig von Verbänden, Lobbys, Funktionären usw.

Dem stand der schlichte Leitgedanke voran: alle erreichbaren Informationen aus allen Teilen und Schichten der Welt zu sammeln und sie wiederum in alle Regionen der Welt zu verteilen. Es sollte also in jeder Beziehung ein Objekt entstehen, das es weltweit bislang noch nicht gab.

Ein gewaltiges Vorhaben, das wir anstrebten und was von vielen, besonders den versierten Fachleuten und Insidern, für völlig undurchführbar gehalten wurde. Wir erinnern uns an zahlreiche Diskussionen, die wir diesbezüglich geführt hatten.

In der litauischen Hauptstadt liefen am Donnerstag, den 1. Oktober 1992 gut 65.000 Zeitungen der ERSTAUSGABE der INTERMUSIK aus den Rotationsdruckmaschinen der staatlichen Großdruckerei. 16 Seiten hatte sie, alle im Schwarz-Weiß-Druck, 8 Seiten davon mit roter Zusatzfarbe. Von Litauen aus wurden die Zeitungen dann in alle Welt verschickt, zu allen bis dato uns erreichbaren Adressen. Allesamt wurden sie dem Empfänger KOSTENLOS zugestellt.

Das gleiche wiederholte sich einen Monat später, am Montag, den 2. November 1992 und ein drittes Mal am Dienstag, den 1. Dezember 1992. Bis dahin wurden rund 200.000 INTERMUSIK-Zeitungen voll mit Informationen aus der Harmonikawelt in eben die Harmonikawelt hineingestreut! Von Januar 1993 an war die INTERMUSIK dann regelmäßig nur noch im Abonnement oder Einzelbezug erhältlich.

INTERMUSIK 2003
Wir haben es geschafft: Unsere Zeitung gibt es sage und schreibe 11 volle Jahre – allen Unkenrufen zum Trotz, wider allen und zum Teil erheblichen Schwierigkeiten.

Wir erinnern uns mit großer Freude und Genugtuung an die zahlreichen Briefe, die uns nach den ersten INTERMUSIK-Versendungen von Lesern erreichten, die einfach nicht glauben konnten, daß es so etwas gibt. Und noch immer erreichen uns Mitteilungen (Briefe, Faxe, E-Mails, Telefonanrufe) von begeisterten Lesern, oft aus den entferntesten Regionen Sibiriens, der Mongolei, Chinas, Indiens, Afrikas oder Südamerikas, die unsere Zeitung oft auf Umwegen erhalten haben und sie mit großer Begeisterung studieren.
 
TOTALER ERFOLG
INTERMUSIK ist ein TOTALER ERFOLG geworden, das können wir ohne jede Frage heute feststellen.

Darüber freuen wir uns und das feiern wir mit jeder neuen Ausgabe, gemeinsam mit unseren geschätzten Lesern und unseren ebenso verehrten Inserenten, die es uns allesamt möglich gemacht haben, diese Zeitung lebendig zu halten.

Manches hat sich im Laufe der Jahre geändert. Der Stuhl des Chef-Redakteurs wurde mehrfach neu besetzt, das Redaktionsteam hatte manchen Wechsel in der Besetzung. Der Hauptdruckort wurde von Vilnius in Litauen nach Deutschland verlagert. Die produktionstechnischen Abläufe haben sich aufgrund des unaufhaltsamen Einzugs der Computer und der damit verbundenen Technologien eklatant verändert. Keinesfalls im übrigen immer zu unserer Freude, und keinesfalls wurde es für uns "unterm Strich" einfacher: es wurde vielmehr nur anders. Nach wie vor verbleiben die Beschaffung der Informationen und die nachfolgende Aufbereitung als die größte Kunst und das schwierigste Unterfangen.

Verändert hat sich auch die Harmonikaszene. Gravierend sind die Bewegungen im gesamten Bereich der Musikinstrumenten-Fertigung. Die Verschiebungen zwischen Ost und West (Rußland, China, Deutschland, Tschechei, Frankreich, Italien usw.) bzw. innerhalb dessen auch zwischen Nord und Süd sind von historischer Tragweite. Erinnert sei dabei beispielsweise an die Übernahme der Harmona GmbH, den bedeutenden Klingenthaler-Harmonika-Werken in Ostdeutschland, durch Matthias Hohner aus Westdeutschland, dem Nachfahren des legendären gleichnamigen Harmonika-Firmengründers, der seinerseits mit dem "familieneigenen" Unternehmen in Trossingen, der Matth. Hohner AG, in Konkurrenz stand oder die letztendliche Übernahme eben dieser ehernen deutschen Firma Hohner durch den chinesischen Musik-Magnaten Wu H. Hsieh. Ein Karussell wie es bunter kaum sein kann.

Auch die Musiklandschaft selbst veränderte sich. Besonders In Deutschland setzte mit dem Auftreten von INTERMUSIK eine Bewegung ein, die wohl als revolutionär bezeichnet werden darf. Ein vorher nie gekannter Informationsfluß ging durch die deutsche Szene und sie reformierte sie geradezu in weitesten Teilen. Nicht immer zur Freude der jeweiligen Lobbys und Funktionäre – und das bis in die heutige Zeit. Mit der INTERMUSIK stand den verschiedensten auch noch so kleinen Musikgruppen, Aktionskreisen, Künstlerzirkeln und engagierten Amateur-Aktivisten ein Forum zur Verfügung, auf dem sie sich einer Öffentlichkeit präsentieren konnten, wie dies zu keiner Zeit vorher möglich gewesen ist, und das nicht nur in Deutschland und Europa, sondern tatsächlich weltweit existiert.

So wurde beispielsweise das Konzert-Akkordeon, das Bajan, auch in den kleinsten Clubs der Amateur-Akkordeonisten bekannt. Umgekehrt lernten die studierten Kunstmusiker die gehobene wie die deftig-freie Unterhaltungsmusik kennen und schätzen. Die Steirische Harmonika, das Bandoneon, der Tango, die Cajun- und Zydecomusik und viele andere Strömungen konnten sich nunmehr überall hin ergießen, fanden ihre Anhänger und begeisterten Spieler. Einen maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung dürfen wir mit unserer Zeitung reklamieren.

Und wenn wir die Medienlandschaft der Szene heute international betrachten, so sind es viele nationale und regionale Publikationen, die – in Abstimmung mit uns – ihre Informationen aus der INTERMUSIK-Redaktion erhalten und in ihren Medien abdrucken.

Wir werden uns darum bemühen, unserem Credo und allen Lesern auch in Zukunft mit der gleichen Beständigkeit treu zu bleiben: als Informationsforum für die Szene der Bajanisten, Akkordeonisten, Mundharmonikaspieler, Handharmonikafreunde, Bandoneon- und Konzertinaspieler usw. mit allen ihren musikalischen Stilen und den künstlerischen Gruppierungen zu bestehen, Interessantes und Lesenswertes aus allen Ecken der Erde zu sammeln, in Wort und Bild zu fassen und unseren Lesern in aller Welt auf 16 Zeitungsseiten INTERMUSIK mal in Schwarz-Weiß mal in Farbe jeden Monat neu zu präsentieren. 
 

Copyright (C) 2007 INTERMUSIK